5 Dinge, …

…die man NIE zu frischgebackenen Pflegeeltern sagen sollte (und fünf Sätze, die sie wirklich hören möchten) Von DANE BAUER HASSID

Diesen Artikel habe ich im wunderbaren Mutha Magazine gefunden und darf ihn mit der freundlichen Genehmigung von Dane übersetzen und hier wiedergeben. Ich habe beim Lesen festgestellt, dass es nicht wirklich einen Unterschied macht, in welchem System oder auf welcher Seite des Atlantiks man Pflegeeltern ist. Auch ich habe die untenstehenden Sätze zu hören bekommen und ähnliche Reaktionen erlebt. Wenn man „neu“ ist und auch die Menschen um einen herum zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert werden, sind Gespräche oftmals schwierig. Ich bin daher froh, dass Dane sich die Mühe gemacht hat, diesen „Leitfaden für all jene gutmeinenden, unterstützenden und leicht alarmierten Pflegeeltern-nahen Freunde und Familienmitglieder“ zu schreiben.

1. Habt ihr keine Angst? Diese Kinder können so schwierig sein. Ich erzähl Dir mal von dem Buch über Pflegekinder, das ich gelesen habe. Ich konnte tagelang nicht aufhören, zu weinen.

Was ich höre: Ich glaube nicht, dass ihr das gut genug durchdacht habt.

Das gehört zum Schlimmsten, was man Pflegeeltern in der Bewerbungsphase sagen kann. Es untergräbt und missachtet den Weg, den wir bis hierher zurückgelegt haben. Niemand wird zufällig Pflegemutter oder -vater. Wir bewerben uns, machen Fortbildungen, warten auf die Annahme. Jeder dieser Schritte ist begleitet von massiven und persönlichen Fragen, die uns und unser Leben betreffen. Hast Du einen 20-seitigen Fragebogen ausgefüllt, der Dich zu Familiengeschichte und Erziehungsstil befragt hat, bevor ihr ein Kind gezeugt habt?

Was ich hören möchte: Ich würde gerne mehr darüber wissen, warum ihr Euch entschieden habt, Pflegeeltern zu werden.

Das zeugt von Respekt für die Arbeit, die hinter mir liegt. Du hörst Dir meine Geschichte an und hast Fragen dazu? Großartig! Aber wahrscheinlich beantworte ich viele dieser Fragen, bevor du sie stellen kannst. Zum Beispiel: Ja, wir planen tatsächlich, uns wirklich stabile Möbel anzuschaffen, danke, dass du nicht gefragt hast.

2. Ich könnte das nicht, was ihr tut. Es wäre zu schlimm für mich.

Was ich höre:
A) Ich werde mich jetzt langsam zurückziehen und vermutlich aus deinem Leben verschwinden.

Weißt Du was? Das ist okay für mich. Wenn Du meine Wutausbrüche über “das System” nicht erträgst oder Dir nicht ständig neue Namen merken willst oder nicht zusehen kannst, wie mir eine Rückführung das Herz bricht – dann ziehe Dich zurück. Suche dir Freunde, die zu deinem Leben passen und dich unterstützen – ich werde das Gleiche tun.

B) Es tut mir weh, darüber nachzudenken. Ich möchte Dich nicht traurig sehen.

Das ist, als ob man jemandem, der dir sagt „Ich bin schwanger!“ mit „Oh, aber Wehen sind SO SCHRECKLICH!“ antwortet. Wird oft begleitet von: „Das könnte ich nie“. Ehrlich? Wir alle haben schon schmerzvolle Dinge getan. Wir haben riskiert, verletzt zu werden, weil wir liebten. Wir sind von Freunden und Familie weggezogen. Wir haben den Sport gemacht, den wir lieben, auch wenn wir jetzt deshalb den Orthopäden im Kurzwahlspeicher haben. Menschen machen jeden Tag Dinge, die wehtun. Wie hast Du deine letzte schmerzvolle Erfahrung durchgestanden? Denke daran, was deine Lieben gesagt haben, während sie deine Hand hielten und dir Sangria über einen Eisbecher gekippt haben.

Was ich hören möchte: Hört sich an, als könnten harte Zeiten auf Dich zukommen, aber Du kannst auf mich zählen. Vielleicht weiß ich nicht, was ich sagen soll, aber ich bin für Dich da. Denkst Du, Sangria und Eiscreme könnten Dir bei Herzschmerz helfen? Wir können beides ausprobieren.

3. Ich meine ja nur, dass Du diese Eltern-Erfahrungen vermissen wirst: Schwangerschaft, die Wehen, deinem Kind einen Namen geben …

Was ich höre: Ich befürchte, dass wir unsere Erfahrungen als Eltern nicht teilen können, wenn wir nicht auf dieselbe Art Eltern geworden sind. Selbst wenn Du es nicht laut aussprichst – selbst wenn du wirklich der Meinung bist, dass Wehen ohne Schmerzmittel eine Erfahrung sind, die man nicht missen sollte – [denkst Du] nur so sind diese Gefühle spürbar.

Ich verstehe schon. Der Reim lautet nicht „ Verliebt, verlobt, verheiratet und dann lebenslang mit dem Jugendamt verbandelt und eine Reihe von Platzierungen erlebend, die Dein Herz auf einen stetigen Pfad von Wachsen und Brechen schicken“. Wer nicht im oder mit dem Pflegekinderwesen aufgewachsen ist, weiß nicht, wie man damit umgeht. Aber ich nehme einen tiefen Atemzug und tue es einfach. Ja, es gibt Erfahrungen, die ich nicht machen werde. Aber mein Großvater denkt auch immer noch, dass mein Leben unerfüllt ist, weil ich nicht Ingenieurin geworden bin, und ich lebe noch. Und trotz unserer radikal unterschiedlichen Karrieren haben wir immer noch eine reiche und liebevolle Beziehung zueinander. Das schaffen wir auch, versprochen.

Was ich hören möchte: Auf welchen Teil davon, Eltern zu sein, freust Du Dich am meisten?

Statt Vermutungen darüber anzustellen, was ich alles vermissen werde, erkenne an, dass es eine Menge Erfahrungen geben wird, die ich als Elternteil machen werde – und ich freue mich darauf!

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(c) Kevin Dooley via Flickr

4. Ihr tut so viel Gutes damit, diese armen Kinder zu retten

Was ich höre: Du bist mehr wert als diese Kinder. Nichts geht mir schneller unter die Haut und brennt wie eine Horde Feuerameisen als diese „Retter“-Story im Pflegekinderwesen. Es gibt in dieser Geschichte keine Helden und auch keine Schurken – nur die unglaublich verwirrenden, chaotischen, komplexen und wunderbaren Familien und Menschen, aus denen das System besteht. Und ich gehöre übrigens mit zu diesem System. Ich bin verwirrend, chaotisch, komplex und wunderbar.

Ich rette niemanden. Ich biete einem Kind ein sicheres und liebevolles Zuhause, für die Zeit, in der es bei uns ist. Ich absolviere Elternabende und Arztbesuche und Fußballtrainings, küsse aufgeschlagene Knie und suche nach Monstern unterm Bett und ich sitze bis Mitternacht an ihren Hausaufgaben, denn welcher Grundschullehrer mit Verstand verlangt von einem Erstklässler ein Modell des Eiffelturms aus Zahnstochern? Nichts davon ist heldenhaft, solange es nicht genauso heldenhaft ist, wenn du es tust.

Und ja: Kinder, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, benötigen Zeit, um zu heilen. Das liegt in der Natur der Sache. Aber ihnen dafür einen sicheren Platz zu geben, hat nichts mit Heldentum zu tun. Es hat mit Menschlichkeit zu tun. Und wenn ich dafür eine Medaille verdiene, solltest Du es auch. Und der Lehrer deines Kindes. Und vermutlich ihr Arzt und dieser wirklich großartige Babysitter.

Die Kinder, die zu uns kommen, kommen ganz, nicht zerbrochen. Sie kommen mit Traumata und Gepäck und sehr wenig persönlichem Besitz. Aber sie kommen mit komplett geformter Persönlichkeit, Humor, Überlebensinstinkt, Schmerz und Verspieltheit. Es gibt nichts zu reparieren, nur zu heilen und weiter zu wachsen und zu gedeihen.

Was ich hören möchte: Erzähl mir von deinen Pflegekindern.

Zeige, dass du meine Kinder als Individuen respektierst, als ganze, strahlend fabelhafte Persönlichkeiten. Und vergiss nicht – ich könnte deinen Rat als erfahrenes Elternteil benötigen. Besonders, wenn ich in einer Situation stecke, in der ich nie zuvor war: Für meine Kinder in der Schule eintreten oder einen Klavierlehrer aussuchen. Frage, wie sie mich zum Lachen bringen, meine Knöpfe drücken und ich frage dich das gleiche zurück.

5. Ihr seid keine richtigen Eltern / sie bleiben nicht für immer bei Euch / das ist eher staatlich gesponsortes Babysitting als Elternschaft

Was ich höre: Du machst es falsch. Ihr werdet nie Eltern sein. Ich respektiere nicht, was ihr tut. Ich bin zudem absolut ignorant dem Jugendamt gegenüber. Für den, der es sagt, mögen es harte Wahrheiten sein, die die zukünftigen Pflegeeltern nicht bedacht haben. Für mich ist es eine komplette Ablehnung von allem, worauf ich hinarbeite.

Was ich hören möchte: Fröhlichen Muttertag! Fröhlichen Vatertag! Fröhlichen Weniger-Gender-problematischer-Eltern-Tag!

Denn wir sind wie Du. Unsere Kinder mögen wechseln und wir mögen eine Menge mehr Papierkram haben als du, aber wir stecken genau wie du bis zu den Ellbogen in Matsch, Kinderkacke, Grinsen, Vorausahnung, Herzschmerz und Erschöpfung. Und genau wie du würden wir niemals tauschen wollen.

 

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